Bäume haben einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit, regulieren das urbane Mikroklima und bieten zahlreichen Tieren einen Lebensraum. In dicht bebauten Städten sind Bäume deshalb besonders wertvoll.

Gleichzeitig sind Städte schwierige Lebensräume für Bäume. Vor allem Straßenbäume wachsen häufig unter Bedingungen, die mit einem idealen Ökosysem wenig gemeinsam haben: Der Wurzelraum ist begrenzt, Böden sind verdichtet, große Flächen versiegelt und Wasser kann die Wurzeln nur eingeschränkt erreichen. Hinzu kommen Hitze, Streusalz, Schadstoffe und Verletzungen durch Verkehr oder Baumaßnahmen.

Grundlage für diesen Beitrag ist ein hervorragender Artikel, der von der Universität Hamburg in Kooperation mit dem Bundesamt für Umwelt publiziert wurde.

Warum Stadtbäume unter schwierigen Bedingungen wachsen

Ein Baum braucht nicht nur oberhalb der Erde ausreichend Platz für seine Krone. Ebenso wichtig ist der Raum unter der Erde. Denn dort nehmen die Wurzeln Wasser und Nährstoffe auf. Ein guter Boden sollte deshalb Wasser speichern können und gleichzeitig ausreichend Poren enthalten, über die Luft und Wasser in den Wurzelraum gelangen. Und das ist an vielen Stadtstandorten leider nicht gegeben.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) beschreibt Stadtbäume als häufig isoliert und exponiert wachsende Bäume, die mit einer Vielzahl ungünstiger Standortbedingungen zurechtkommen müssen. Dazu gehören unter anderem geringer Wurzelraum, Bodenverdichtung, Schadstoffbelastungen und die besonderen klimatischen Bedingungen der Stadt. 

Begrenzter Wurzelraum

Neben Gehwegen und Straßen konkurrieren Baumwurzeln mit Leitungen, Kanälen, Fundamenten und anderer unterirdischer Infrastruktur um Platz. Besonders Straßenbäume stehen häufig auf kleinen Baumscheiben, umgeben von Asphalt. Das begrenzt den Bodenraum, den ein Baum mit seinen Wurzeln erschließen kann und damit auch den Raum, aus dem er Wasser und Nährstoffe beziehen kann.

Bodenverdichtung

Ein weiteres Problem sind verdichtete Böden. Sie können beispielsweise durch Bautätigkeit, Fahrzeuge oder eine intensive Nutzung des Baumumfelds entstehen. Werden die Poren im Boden zusammengedrückt, verschlechtern sich die Bedingungen für den Luft- und Wasserhaushalt. Wasser kann schlechter versickern und auch der für die Wurzeln notwendige Gasaustausch wird beeinträchtigt.

Versiegelung und Wassermangel

Asphalt, Beton und Pflaster prägen große Teile unserer Städte. Auf versiegelten Flächen kann Regenwasser nicht oder nur eingeschränkt in den Boden gelangen. Stattdessen fließt es oberflächlich ab und wird häufig über die Kanalisation aus dem Gebiet abgeleitet. Besonders während längerer Trockenperioden kann die Wasserversorgung deshalb schwierig werden. Gerät ein Baum über längere Zeit in Wassermangel, spricht man von Trockenstress.

Hitze und Klimawandel verstärken die Belastungen

Zu den schwierigen Standortbedingungen kommt das besondere Klima der Städte. Denn Straßen, Gebäude und andere versiegelte Flächen erwärmen sich durch Sonneneinstrahlung und geben die gespeicherte Wärme nachts wieder ab. Dadurch können Städte deutlich wärmer sein als ihr Umland. Dieser Effekt wird als städtische Wärmeinsel bezeichnet.  Steigende Temperaturen und längere Trockenperioden können die ohnehin schwierigen Bedingungen für Stadtbäume zusätzlich verschärfen.

Welche Folgen Hitze, Trockenheit und veränderte Niederschläge für Stadtbäume haben, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Stadtbäume im Klimawandel.

Weitere Belastungen für Stadtbäume

Neben Boden, Wasser und Hitze gibt es im unmittelbaren Stadtumfeld weitere Stressfaktoren.

  • Streusalz: An Straßen können Bäume mit zudem auch Streusalz belastet werden. Streusalz gelangt beispielsweise über Spritzwasser oder mit Schmelzwasser in den Boden.
  • Hundeurin: Auch Hundeurin kann insbesondere im unmittelbaren Stamm- und Wurzelbereich eine zusätzliche Belastung darstellen, da es eine ätzende Wirkung hat.
  • Verkehr, Baumaßnahmen und Verletzungen: Stadtbäume teilen ihren Lebensraum mit Autos, Fahrrädern, Fußgängern, Baustellen und technischer Infrastruktur. Dabei können Stämme, Äste und Wurzeln mechanisch beschädigt werden. Besonders problematisch sind Eingriffe in den Wurzelraum. Arbeiten an Straßen oder Leitungen können Wurzeln verletzen; schwere Baumaschinen können zusätzlich den Boden verdichten.

Besonders Straßenbäume sind vielen Belastungen ausgesetzt

Stadtbaum ist nicht gleich Stadtbaum. Ein Baum in einer großen Parkanlage kann beispielsweise über einen wesentlich größeren unversiegelten Bodenraum verfügen als ein Straßenbaum, dessen Baumscheibe von Asphalt und Pflaster umgeben ist.

Straßenbäume sind deshalb häufig mehreren Belastungen gleichzeitig ausgesetzt: wenig Wurzelraum, verdichteter Boden, Versiegelung, Hitze, Wassermangel, Streusalz und mechanische Schäden können am selben Standort zusammenkommen.

Treffen ungünstige Bedingungen jedoch über längere Zeit zusammen, kann die Vitalität eines Baumes abnehmen. Warum viele Stadtbäume dadurch nicht das Alter erreichen, das grundsätzlich möglich wäre, erklären wir ausführlicher im Artikel Warum Stadtbäume zu früh sterben.

Anpassungen an die schwierigen Bedingungen

Damit Stadtbäume langfristig gesund wachsen können, reicht es nicht, ausschließlich nach besonders robusten Baumarten zu suchen. Entscheidend ist auch, welche Bedingungen wir den Bäumen in unseren Städten bieten.
Eine wichtige Rolle spielt bereits die Planung eines Baumstandortes. Dazu gehören ausreichend großer und durchwurzelbarer Bodenraum, geeignete Substrate sowie eine gute Versorgung mit Luft und Wasser.

Auch der Umgang mit Regenwasser wird zunehmend wichtiger. Statt Niederschlag möglichst schnell über die Kanalisation abzuleiten, kann Wasser vor Ort gespeichert und den Pflanzen zur Verfügung gestellt werden. In Hamburg wurden beispielsweise Pflanzgrubenmodelle untersucht, bei denen Niederschlagswasser gezielt in den Wurzelraum von Stadtbäumen geleitet wird.

Dieses Prinzip spielt auch bei der sogenannten Schwammstadt eine wichtige Rolle.
Langfristig ist außerdem eine vielfältige und standortgerechte Auswahl von Baumarten sinnvoll. Denn nicht jede Baumart kommt mit Hitze, Trockenheit, Frost und den besonderen Bedingungen eines Straßenstandortes gleich gut zurecht.

Welche Arten für zukünftige Stadtstandorte untersucht werden, erklären wir in unserem Artikel Stadtbäume der Zukunft.

Auch die Bewässerung spielt eine wichtige Rolle

Während längerer Trockenperioden kann insbesondere bei jungen Stadtbäumen eine zusätzliche Bewässerung notwendig sein. Ihr Wurzelsystem ist noch nicht vollständig entwickelt und kann entsprechend weniger Bodenraum erschließen.
Wichtig ist dabei, ausreichend Wasser langsam in den Boden gelangen zu lassen. Wie viel Wasser ein Baum benötigt und worauf beim Gießen zu achten ist, erklären wir in unserem Ratgeber Bäume richtig gießen.
Bewässerungsbeutel können insbesondere bei Jungbäumen eine Möglichkeit sein, größere Wassermengen langsam an den Boden abzugeben.

  • Bäume & Klimaschutz
  • https://baumbad.ch/blogs/baumbewaesserungssack/zunehmende-probleme-fur-stadtbaeume

  • Baumwissen
  • https://baumbad.ch/blogs/baumbewaesserungssack/zunehmende-probleme-fur-stadtbaeume

  • Gießlexikon
  • https://baumbad.ch/blogs/baumbewaesserungssack/zunehmende-probleme-fur-stadtbaeume

  • Stadtbaumwissen
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  • Baumbewässerungsack
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  • Mensch & Natur
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