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Wie wichtig unsere Gesundheit ist, wissen wir. Ernährung, Bewegung und psychisches Wohlbefinden spielen dabei eine entscheidende Rolle. Doch welchen Einfluss hat eigentlich unsere unmittelbare Umgebung auf unsere Gesundheit?

Die meisten Menschen in Deutschland leben heute in Städten. Doch was macht eine Stadt zu einem gesunden Lebensraum?

Eine Antwort darauf lautet: Bäume!

Denn Bäume spenden Schatten, verbessern das Stadtklima und schaffen Orte der Erholung. Doch ihre Wirkung geht noch weiter. Wissenschaftliche Studien zeigen interessante Zusammenhänge zwischen Bäumen und unserer körperlichen und psychischen Gesundheit.

Wie genau können Bäume unsere Gesundheit fördern? Und was sagt die Wissenschaft dazu?

Inhalt

Bäume als grüne Oasen

Bäume wirken auf viele Menschen beruhigend. Das kann an den Farben liegen: Grün wird ein balancierender und beruhigender Effekt nachgesagt und Bäume bringen dieses Grün mitten in die Stadt.
Bäume stehen einfach da, während Verkehr und Menschen um uns herumschwirren. 
Bäume verkörpern einen anderen Zeithorizont als unsere alltäglichen Probleme und Sorgen. Sie stehen da, Tag für Tag, Jahr für Jahr, und strahlen dabei eine würdevolle Ruhe aus.

Bäume ändern sich jedoch ständig, fast unmerklich langsam, und passen sich dadurch den Jahreszeiten an. Bäume können uns mit den Kräften der Natur verbinden, mit den Lebenszyklen, mit der Zeit. Bäume sind eigene kleine Ökosysteme und bieten Habitate für die verschiedensten Tiere, Pflanzen und Pilze. Vielleicht beobachtet Dich ein Vogel aus den Ästen, vielleicht ist der Baum mit einer Moosschicht oder Efeu bewachsen, vielleicht krabbeln einige Käfer über die Rinde. Ein Baum bringt Ruhe und gleichzeitig Leben in die Stadt. Bäume sind einfach toll.

Christian Morgenstern schrieb: «Nichts ist für mich mehr Abbild der Welt und des Lebens als der Baum.»

Und Bäume sind nicht nur ästhetisch wohltuend: Sie spenden Schatten, dämpfen Lärm und verbessern die Luftqualität. Andreas Roloff schreibt, dass Stadtbäume die Luft vor Emissionen reinigt, besonders durch Reduktion von Ozon, Stickstoffoxiden, Sulfur und Kohlendioxid. Durch die zunehmend höheren Sommertemperaturen werden diese Faktoren an Bedeutung gewinnen, besonders weil Städte generell Hitzeoasen sind und hitzesensitive Bevölkerungsgruppen Gesundheitsrisiken aussetzen.

Die Heilkraft der Bäume wissenschaftlich untersucht

Und nun zu den spannenden Forschungsresultaten zu den Effekten von Bäumen auf die menschliche Gesundheit:

Eine viel beachtete Studie aus Toronto untersuchte den Zusammenhang zwischen Stadtbäumen und der Gesundheit der dort lebenden Menschen. Das Ergebnis: Menschen, die in Strassen mit mehr oder grösseren Bäumen leben, schätzten ihre Gesundheit durchschnittlich besser ein. Ausserdem berichteten sie seltener von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen.

Besonders spannend: Zehn zusätzliche Strassenbäume pro Häuserblock waren statistisch mit einer besseren Gesundheitseinschätzung verbunden, die etwa einem sieben Jahre jüngeren Alter oder einem um 10.000 US-Dollar höheren Jahreseinkommen entsprach.

Das bedeutet natürlich nicht, dass uns zehn zusätzliche Bäume um sieben Jahre verjüngen. Die Studie zeigt zunächst einen statistischen Zusammenhang, keinen direkten Ursache-Wirkungs-Nachweis.

Die Forschenden vermuten, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen könnten: Bäume verbessern das Stadtklima, können die Luftqualität positiv beeinflussen, fördern möglicherweise die Bewegung im Freien und helfen uns, Stress abzubauen.

Klar: Bäume können die Luftqualität verbessern. Sie können Menschen auch motivieren, sich mehr zu bewegen. Vielleicht mit dem Rad einkaufen zu fahren, weil die Straße im Schatten liegt und wegen der alten Bäume eine besondere Atmosphäre bietet. Schon deshalb lohnt es sich, mehr Bäume in unseren Städten zu pflanzen. Aber Stressreduktion, weil man in einem Quartier mit mehr oder größeren Bäumen lebt? Ja, sieht ganz so aus!  

Eine weitere interessante Studie erschien in Science, einem weiteren renommierten Wissenschaftsjournal. Der Architekturprofessor Roger Ulrich untersuchte in einer amerikanischen Klinik, wie der Blick auf Bäume die Genesung von PatientInnen beeinflusst. Eine Gruppe von Patienten hatte einen Ausblick auf Bäume, eine andere Gruppe auf eine Hausmauer. Ulrich kommt zum Schluss, dass Patienten mit Sicht auf Bäume signifikant weniger Zeit im Krankenhaus verbringen mussten, weniger Schmerzmittel nahmen und seltener unter postoperativen Komplikationen litten.

Für diesen gesundheitsfördernden Effekt von Pflanzen gibt es sogar einen Begriff: Biophilia. Der österreichische Biologe Clemens Arvay beschreibt in seinem Buch Der Biophilia-Effekt: Heilung aus dem Wald, wie Spaziergänge im Wald die natürlichen Killerzellen unserer Immunsysteme aktivieren, und dadurch unsere generelle Gesundheit stärken. Arvay geht noch weiter und beschreibt, wie Waldspaziergänge als Vorbeugung gegen Krebs wirken und uns vor psychischen Erkrankungen schützen können. Seine Argumentation basiert zu einem Teil auf den Forschungsergebnissen einer japanischen Studie, die Shinrin-yoku – auch bekannt als Waldbaden – wissenschaftlich untersuchte. Diese Studienleiter erklären sich die starken gesundheitlichen Aspekte mit unserer Herkunft als Menschen. Wir hätten die meiste Zeit unserer Geschichte in einer Welt gelebt, die von Bäumen geprägt gewesen sei. Der Kontakt zu Bäumen kann uns entspannen und Stress reduzieren.   

Bäume als Nahrungsquelle und Heilpflanzen

Bäume können unsere Gesundheit nicht nur durch ihre Anwesenheit positiv beeinflussen. Seit Jahrtausenden nutzen Menschen auch ihre Früchte, Blüten, Blätter und Rinden als Nahrungsmittel und Heilmittel.

Äpfel, Birnen, Kirschen und Nüsse sind wichtige Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung. Sie liefern uns Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders Nüsse enthalten wertvolle ungesättigte Fettsäuren.

Doch Bäume spielen auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde eine wichtige Rolle: Aus Lindenblüten wird beispielsweise ein Tee zubereitet, der traditionell bei Erkältungen getrunken wird. Weidenrinde enthält Salicin, eine Substanz, aus der im Körper Salicylsäure entstehen kann. Sie wird seit langer Zeit zur Linderung von Schmerzen und Fieber eingesetzt.

Auch die Blüten des Holunders werden traditionell als Tee bei Erkältungsbeschwerden verwendet. Aus seinen reifen, ausreichend erhitzten Beeren lassen sich zudem Säfte und andere Lebensmittel herstellen.

Viele dieser Anwendungen haben eine lange Tradition. Ihre gesundheitlichen Wirkungen sind allerdings unterschiedlich gut wissenschaftlich untersucht. Und nicht alle Pflanzenteile sind ohne Weiteres zum Verzehr geeignet.

Bäume sind damit nicht nur Lebensraum, Schattenspender und Orte der Erholung. Sie versorgen uns auch mit wertvollen Nahrungsmitteln und pflanzlichen Wirkstoffen.

Bäume schützen uns vor Hitze

Bäume sind nicht nur schön anzusehen. An heissen Sommertagen können sie auch unsere Gesundheit schützen. In Städten heizen sich Asphalt, Beton und Gebäude besonders stark auf. Dadurch können Städte deutlich wärmer sein als das umliegende Land. Man spricht vom sogenannten städtischen Wärmeinseleffekt.

Bäume können dieser Entwicklung entgegenwirken: Ihre Kronen spenden Schatten und verhindern, dass sich Strassen, Gehwege und Hausfassaden so stark aufheizen. Gleichzeitig verdunsten Bäume über ihre Blätter Wasser und können dadurch ihre Umgebung zusätzlich kühlen.

Das ist nicht nur eine Frage des Wohlbefindens. Hohe Temperaturen können unseren Kreislauf belasten und das Risiko für gesundheitliche Probleme erhöhen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen.

Mit zunehmenden Hitzewellen wird die Bedeutung von Stadtbäumen deshalb weiter wachsen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Anpassung unserer Städte an den Klimawandel.

Dabei gilt: Je grösser und vitaler ein Baum ist, desto mehr Schatten kann seine Krone in der Regel spenden. Deshalb ist es besonders wichtig, bestehende alte Bäume zu erhalten und junge Stadtbäume so zu pflegen, dass sie langfristig gesund wachsen können.

Mehr Bäume bringen mehr Gesundheit und damit Lebensqualität

Ja, Bäume sind wichtig für unsere Gesundheit. Sie spenden Schatten, verbessern die Luftqualität und dämpfen Lärm. Sie können Stress reduzieren und wertvolle Lebensmittel liefern. 

Möchtest du mehr Informationen zu diesem Thema? Hier findest du eine sehr umfangreiche Literaturrecherche von der Universität Kassel.

Über den Autor

Andreas Hunkeler ist Sozial- und Kulturanthropologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Nachhaltigkeit und Mensch-Natur-Beziehungen. Seit 2020 schreibt er für baumbad über Bäume, Stadtökologie und nachhaltige Baumpflege. Inzwischen sind über 100 Artikel entstanden.

Besonders interessiert ihn die Frage, wie Bäume unser Leben bereichern und wie wir unsere Städte und Landschaften so gestalten können, dass Menschen, Tiere und Pflanzen darin gut leben können.

Mehr über Andreas Hunkeler

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